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 Die Flucht

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Ikiryo



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BeitragThema: Die Flucht   Di Jun 17, 2008 1:06 pm

1. Teil

Auf weiter Flur steht er im Schauer,
Grauer Nebel wallt, eine dichte Mauer.
Stampft müde vorwärts, Schritt um Schritt
Die Geister der Vergangenheit, sie halten mit.

Da fällt er hin, liegt im Matsch wie ein Rochen,
Scharfe Klauen reißen das Fleisch von den Knochen.
Wild schlägt er um sich, zerreist seine Weste,
Doch sind’s nur Dornen und zerbrochene Äste.

Blutig zerschrammt wankt er weiter nach Norden,
hört leise das Heulen, des Verfolgers Horden.
Panisch sucht er ein Versteck in den Schatten,
Muss weg von hier, bevor sie ihn packen.

Da, ein Lichtschein! Er muss sich bewegen.
Wie eine Motte zum Feuer läuft er ihm entgegen.
Am Rande der Klippe ist für ihn Schluss.
Das heulen der Horde klingt wie ein Tusch.

Mutig beginnt er zu klettern abwärts,
Hört ihr, er schafft es! Das ist kein Scherz.
Er rutscht von dem Steine, nichts da das ihn hält,
Sein Schrei ist lautlos, trotzdem das er fällt.

Er schaut nach oben zur Klippe im Dunkeln,
Ist nichts zusehen außer der kalten Sterne funkeln.
Zerschlagen ist er und klein wie ein Kind,
das heulen der Horde, es war nur der Wind.


Zweiter Teil:

Die Mutter sucht auf Waldespfaden,
Möcht ihr Kinde in den Armen haben.
Sucht hier und dort, den Pfad hinunter,
Hoffend, dass es ist wohl und munter.

Die Lampe brennt ihr in der Hand
Sie gab den Männern ein teuer Pfand
Zum suchen in der Dunkelheit
Das Kind, ob es gegangen ist weit.

Spuren im Acker führen sie weiter,
Niemand von ihnen lacht und ist heiter.
Sorgen lassen die Stirne errauen,
Sie geben nicht auf, sie suchen und schauen.

Der Wind frischt auf, sie erreichen die Klippe,
Der Mond steht schon in des Himmels Mitte.
Sie teilen sich auf, und gehen getrennt,
Schnell findet sich ein kleines Stück Hemd.

Die Angst geht um, man holt zwei Seile,
Die Männer schwingen sich über die Klippe in Eile.
Unten finden sie, vom Wasser umspielt
Das kleine Kind, mit zerschmettertem Glied.

Die Männer kommen mit Gesichtern voll Trauer,
Die Mutter spürt es, es überläuft sie ein Schauer.
Sie schreit zum Himmel ihren ganzen Schmerz,
Und springt zum Kinde, ein gequältes Herz.


Zuletzt von Ikiryo am Mi Jun 18, 2008 11:46 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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maggie
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BeitragThema: Re: Die Flucht   Di Jun 17, 2008 1:13 pm

Respekt, wirklich!
Ich finde dieses Gedicht sehr toll geschrieben! Mich wundert vor allem, wie du auf die Idee gekommen bist.
Es handelt sich dabei ja um eine ganze Geschichte!
Gefällt mir wirklcih sehr gut!

Hier zwei Dinge, die mir besonders gut gefallen haben:

"Zerschlagen ist er und klein wie ein Kind,
das heulen der Horde, es war nur der Wind."

"Da, ein Lichtschein! Er muss sich bewegen.
Wie eine Motte zum Feuer läuft er ihm entgegen."

Und noch zwei Titelvorschläge:
1. Des Windes Opfer
2. Es war nur der Wind
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Ikiryo



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BeitragThema: Re: Die Flucht   Di Jun 17, 2008 3:55 pm

Vielen Dank! Ich weiss selber nicht mehr genau, wie ich darauf gekommen bin. Es war einfach in meinem Kopf Smile
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Ikiryo



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BeitragThema: Re: Die Flucht   Mi Jun 18, 2008 11:48 am

Endlich ist mit ein passender Titel eingefallen...

würde mich über weitere Meinungen freuen, auch wenn es nur ein kurzes " voll doof" oder "tolle Sache" ist ;-)
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Kemijoki
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BeitragThema: Re: Die Flucht   Fr Jun 20, 2008 5:06 pm

Ich finde es wirklich extrem schön! Mich wundert auch, wie du auf diese Gedanken gekommen bist und vor allem, sie in einem Gedicht zu verarbeiten? RESPEKT auch von meiner Seite!
Ich finde es schön, wenn Gedichte eine Geschichte erzählen. Selbst würde ich so gerne schreiben können, kann es aber leider (noch) nicht.

Mir gefallen die gleichen Stelle wie maggie sehr sehr gut:

"Zerschlagen ist er und klein wie ein Kind,
das heulen der Horde, es war nur der Wind."

"Da, ein Lichtschein! Er muss sich bewegen.
Wie eine Motte zum Feuer läuft er ihm entgegen."


Der Titel...Ja, klingt auch schön. Maggie's Vorschlag "Des Windes Opfer" fände ich aber auch extrem passend.
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