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 Das seltene Tier (in mir und dir)

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maggie
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BeitragThema: Das seltene Tier (in mir und dir)   Mi Okt 03, 2007 10:21 pm

Das seltene Tier (in mir und dir)

Wie lange hält dich dieser Käfig,
etwa schon immer, etwa schon ewig?
Ständig rennst du hin und her,
fällt dir das Stillstehn denn so schwer?

Diese kalten Gitterstäbe,
wenn es sie doch gar nicht gäbe.
Du fühlst das harte, kalte Eisen,
würdest es zu gern zerreißen.

Viele Regeln und Gesetze,
suchen täglich ihre Plätze
in einer Welt, die einst war frei.
Schon längst ist diese Zeit vorbei.

Doch du lebst in dieser Zeit,
bist zu allem noch bereit.
Aber du bist eingeschlossen,
wirst mit bösem Blick beschossen.

Die anderen sind nicht wie du,
die anderen, die hörn’ nicht zu.
Sie schließen alle ihre Augen,
wollen nicht an Wunder glauben.

Du kannst keine Ruhe finden,
hast Angst bald selber zu erblinden.
So müssen deine Füße rennen,
als würden deine Sohlen brennen.

Dein Geist muss einfach weiter wachen,
auch wenn die andern noch so lachen.
Du hängst zu fest in ihren Fängen,
fühlst, wie sehr sich dich bedrängen.

Gefangen bist du, selt’nes Tier,
das die Menschen blöd begaffen.
Ich eile schon zur Rettung dir,
gemeinsam können wir es schaffen.

Fühlst du denn nicht meine Nähe?
Hörst du nicht die schwarze Krähe?
„Komm schon, du musst ruhig werden,
denn so wirst du bald schon sterben!“

Ich weiß, du kannst mich deutlich hören,
lässt dich in deiner Eile stören.
Du kannst mich durch das Gitter sehen,
und fängst erbärmlich an zu flehen:

„Befreie mich von dieser Menge,
in der nicht eine Seel’ ich kenne.
Deine Worte rührten mich,
sag mir, Fremde: kenn ich dich?“

Ich blick' dich an,
und sprech' sodann:
"Du bist zwar selten, doch kein Tier,
die halten dich doch bloß dafür.

Mein Herzschlag ist dir wohl bekannt,
deshalb hast du ihn gleich erkannt.
Wir sind anders, glaube mir,
du bist wie ich, ich helfe dir."
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Eden
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BeitragThema: Re: Das seltene Tier (in mir und dir)   Sa Jan 12, 2008 3:11 pm

wow! Ich habe eine richtige Gänsehaut beim lesen bekommen! Ich habe das Gefühl richtig angesprochen zu werden. Es liest sich sehr melodisch und weich und trotzdem spürt man die Härte der Realität und die Verzweiflung. Richtig klasse.
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maggie
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BeitragThema: Re: Das seltene Tier (in mir und dir)   Di Jan 15, 2008 2:04 am

Viele Dank, Eden!
Freut mich, dass dir das Gedicht gefällt!

Mich würde jetzt noch interessieren, wie du es interpretierst.
Es ist nicht leicht zu interpretieren, weil ich nicht verrate, was ich mir dabei gedacht habe, aber vielleicht magst du's ja trotzdem versuchen. ^^
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BeitragThema: Re: Das seltene Tier (in mir und dir)   Mi Jan 16, 2008 3:48 pm

Klar werde ich es versuchen weil es ja um meine interpretation geht und nicht um das was du dir dabei gedacht hast. Ist bestimmt lustig zu sehen wie viele unterschiedliche Interpretationen es für ein Gedicht gibt. Ich bin nur die nächsten 1 1/2 Wochen voll in der Uni eingespannt aber danach werde ich lostippen, versprochen ^^.
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BeitragThema: Re: Das seltene Tier (in mir und dir)   Di Nov 18, 2008 5:13 pm

Ich würde jetzt sagen, du fühlst dich anders als andere. Hast deine eigenen Träume und Gedanken, doch leider versteht der Rest es nicht. Sie schaun dich an, lachen vielleicht sogar, doch das sie dir vielleicht damit weh tun, daran denkt keiner. Eine Seele die erkannt werden will, die nicht aufgeben will, weil sie ihren Weg gehen will, egal was die anderen sagen. Du bist auf der Suche nach jemanden der so ist wie du, so denkt wie du, genau die gleichen Gefühle hat. Eingesperrt in einem Käfig, schaust du in die Welt und versuchst zu verstehen warum sie so ist wie sie ist. Ungerechtigkeiten, hilflosigkeit in einem Selbst. Die ersten Zeilen haben mich sehr gerührt, teils weil ich selbst so fühle, weil mein Inneres auch irgendwie in einem Käfig sitzt. Eine Seele die nach Freiheit sucht, endlich so zu sein wie man im inneren ist.
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maggie
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BeitragThema: Re: Das seltene Tier (in mir und dir)   Mi Nov 19, 2008 6:47 pm

Vielen Dank, Seelenwanderer!
Es ist recht interessant, denn ich begreife dieses Gedicht erst heute so richtig.
Als ich es schrieb, spürte ich nur, dass ich es schreiben muss. Was es genau zu bedeuten hatte, wusste ich nicht. Die Worte wurden mir gegeben, sie flogen mir zu. Und das ist es, was dieses Gedicht unter anderem so besonders für mich macht.
Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich diejenige war, die es geschrieben hat. Verrückt, was?

Du denkst, ich fühle mich anders als andere. Das ist eine Tatsache, ja. Und ich meine das nicht im Sinne, dass ich etwas Besseres oder Besonderes bin. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich häufig minderwertig (was nicht heißt, ich hätte kein Selbstbewusstsein), unfähig mit dieser Welt schrittzuhalten. Und das hält mich gefangen, das schränkt ein.

In diesem Gedicht gibt es ein Lyrisches Ich und ein Lyrisches Du. Seit kurzem weiß ich, dass ich sowohl das eine, als auch das andere bin.
Früher dachte ich, ich wäre entweder die gefangene Person, die bald jemanden trifft, der zwar gleich ist, aber außerhalb dieses Käfigs leben kann, und mich dadurch befreien kann.
Oder ich bin die Person, die die gefangene Person befreien kann.
Jedoch habe ich gemerkt, dass ich in einigen meiner GEdichte dazu tendiere, mich selbst aus einer Distanz heraus zu sehen...unbewusst.
Im Gedicht "Das seltene Tier" bin ich also beide Personen. Die gefangene Person ist das, was ich bin. Die freie Person ist das, was ich sein könnte, wenn ich mich akzeptiere und lerne mit dieser Welt zurecht zu kommen.
Dann kann ich frei sein, kann frei UND anders sein, ohne mich dabei gefangen zu fühlen.
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